Kinderzahnheilkunde

Von Schnullerabschied und falschem Mut zur Lücke

Von Dr. Heike Pfau, Dr. Nina Back, Dr. Bettina Engler-Hamm, Msc., Kinderzahnärztinnen

Kinder lieben Schnuller: Sie beruhigen, trösten und helfen beim Einschlafen. Doch insbesondere langes, intensives Nuckeln kann zu irreversiblen Verformungen des Kiefers führen – andauerndes oder „falsches“ Nuckeln auch einen sogenannten offenen Biss begünstigen. Hierbei treffen die oberen und unteren Schneidezähne beim Zubeißen nicht mehr aufeinander. Die oberen Schneidezähne stehen in diesem Fall häufig wie Hasenzähne vor. Auch eine Fehlfunktion der Zunge kann die Folge des Nuckelns am Schnuller sein – und wiederum ein falsches Schluckmuster sowie Probleme bei der Lautbildung, besonders bei „s“ und „sch“, mit sich bringen.

Schnuller ade – Abschied tut nicht weh

Je nach Alter des Kindes gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Kinder dem Schnuller zu entwöhnen. Bei relativ jungen Kindern ist es oftmals einfacher, die Abgewöhnung schrittweise anzugehen. Dabei sollten die Kinder den Schnuller nur noch an bestimmten Orten, wie beispielsweise im Bett, oder zu bestimmten Zeiten bekommen. So kann sich die Gewohnheit des Nuckelns langsam „ausschleichen“.

Bei etwas älteren Kindern hat sich die Geschichte von der Schnullerfee bewährt. Diese kommt in der Nacht, holt den Schnuller und bringt dem Kind dafür ein schönes Geschenk. Auch das Verschenken des Schnullers kann – in Kombination mit der passenden Geschichte – wahre Wunder bewirken. Zum Beispiel kann das Kind seinen Schnuller an ein „neues“ Baby aus dem Freundeskreis verschenken oder an die Affenbabys im Zoo – und die „Geschenkübergabe“ mit einem Zoobesuch mit der ganzen Familie verbinden.

Verstärken Sie den Abschied des Schnullers stets positiv, indem Sie Ihr Kind viel loben und ihm sagen, dass es nun schon groß ist und keinen Babyschnuller mehr braucht. Der psychologische Effekt ist enorm, denn: Jedes Kind will groß sein. Und wenn zum Großwerden gehört, dass der Schnuller weg ist, nehmen die Kinder das meist auch in Kauf.

Was tun bei beschädigten Schneidezähnen?

Ist ein Milchzahn komplett ausgeschlagen, sollte dieser nicht wieder zurückgesteckt (replantiert) werden, da die Gefahr der Schädigung der Nachfolgezähne groß ist. Nach einem Sturz auf die Zähne sollte immer ein Zahnarzt aufgesucht werden. Dieser entscheidet, ob es nötig ist, ein Röntgenbild anzufertigen oder sonstige Maßnahmen zu veranlassen.

Mögliche Folgen eines Milchzahntraumas sind zum einen dunkle Verfärbungen des Zahnes, die nicht unbedingt behandlungsbedürftig sind. Wenn es allerdings zu einem Eiterbläschen an der Schleimhaut kommt, ist eine zahnärztliche Kontrolle und eine Behandlung dringend notwendig, damit die chronische Entzündung den bleibenden Zahnkeim nicht beschädigt. Wird ein bleibender Zahn beschädigt, gilt es, schnell zu handeln. Denn das richtige Verhalten in den ersten Minuten nach einer derartigen Verletzung ist entscheidend für das weitere Schicksal der Zähne. Werden diese richtig versorgt, heilen die herausgeschlagenen Zähne sehr häufig wieder ein. Die beste Sofortmaßnahme ist, den Zahn direkt wieder in das Zahnfach zurückzustecken und so schnell wie möglich einen Zahnarzt aufzusuchen. Dabei ist es nicht so wichtig, dass der Zahn exakt in die Zahnreihe eingeordnet wird. Entscheidender ist, dass er nicht länger als fünf Minuten trocken bleibt und nicht an der Zahnwurzel angefasst wird. Ist es nicht möglich, den Zahn wieder in das Zahnfach zu stecken, kann er in steriler physiologischer Kochsalzlösung aufbewahrt werden.

Wenn Ihre Kinder eine Risikosportart betreiben, empfehlen sich die Anschaffung einer Zahnrettungsbox (in Apotheken erhältlich) und vor allem das Tragen eines Sportschutzes. Dabei ist es wichtig, dass es sich um einen individuell hergestellten Zahnschutz handelt. Hierfür muss der Zahnarzt einen Abdruck nehmen und ein Zahntechniklabor fertigt dann den Sportschutz aus weichem Kunststoff an. Die Zahnrettungsbox ist der perfekte Aufbewahrungsort bis zum unverzüglichen Zahnarztbesuch.