Fachbeitrag Gastroenterologie

Je früher, desto besser – Darmkrebs ist durch rechtzeitige Vorsorge vermeidbar

Von Priv.-Doz. Dr. Johannes Benninger, Dr. Michael Weidenhiller, Prof. Dr. Cornelia Gelbmann, Priv.-Doz. Dr. Claudia Ott und Prof. Dr. Karl Hermann Wiedmann

Rund 63.000 Menschen erkranken in Deutschland Jahr für Jahr an Darmkrebs. Das heißt, etwa fünf Prozent aller Deutschen erhalten in ihrem Leben die Diagnose „kolorektales Karzinom“. Weit über ein Drittel der Patienten stirbt an dieser Krankheit. Sie ist in der Bundesrepublik bei Männern und Frauen die zweithäufigste Todesursache durch Krebs (häufigste Ursache bei Männern ist Lungenkrebs, bei Frauen Brustkrebs). Im Vergleich zu anderen Industriestaaten steht Deutschland damit an der Spitze. Die ostbayerische Region weist dabei in Bayern die höchste Prozentzahl auf.

Im Frühstadium über 90 Prozent Heilungschance

Die hohe Sterberate müsste nicht sein, da Darmkrebs im frühen Stadium in nahezu allen Fällen heilbar ist. Je früher entdeckt und beseitigt, desto höher die Heilungschance: Im Frühstadium (I) liegt sie bei über 90 Prozent, im fortgeschrittenen Stadium (IV) sinkt sie auf weniger als zehn Prozent.

Darmkrebs entwickelt sich fast immer aus Polypen, und zwar aus adenomatösen Polypen. Die Adenome sind gutartige Krebsvorstufen, die mit einer endoskopischen Untersuchung leicht erkannt und sofort entfernt werden können. Das Endoskop ist ein schlauchartiges, sehr biegsames Untersuchungsgerät, mit dem die Darmspiegelung durchgeführt wird. In ihm befinden sich Glasfaserbündel zur Beleuchtung und eine Mikrokamera zur Übertragung der Bilder. Durch einen feinen Arbeitskanal kann der Gastroenterologe mikrotechnische Geräte einführen, um Adenome abzutragen.

Die Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt, ist die wichtigste Untersuchung zur Erkennung von Darmkrebs. Deutschlandweit wurde deshalb mit der Vorsorgekoloskopie ein Früherkennungsprogramm eingeführt, das gesetzlich Krankenversicherte ab einem Alter von 55 Jahren in Anspruch nehmen können. Nach zehn Jahren kann die Untersuchung wiederholt werden. Der Einsatz lohnt sich: Vor Einführung der Vorsorgekoloskopie im Jahr 2002 starben in Deutschland jährlich 33.000 Menschen an Darmkrebs, mittlerweile sind weniger als 26.000 Todesfälle zu verzeichnen.

Risikofaktoren: Alter, Geschlecht, Familie

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Je älter ein Mensch wird, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit. Auch das Geschlecht ist bedeutend: Männer haben ein deutlich höheres Risiko als Frauen. Sie erreichen die Quote von Darmkrebs bei Frauen im Durchschnitt zehn Jahre früher. Eine wichtige Rolle spielt das Vorkommen von Darmpolypen beziehungsweise Darmkrebs in der Familie. Bei Verwandten ersten Grades verdoppelt sich das Risiko, selbst mit der Diagnose „Darmkrebs“ konfrontiert zu werden. Colitis ulcerosa, eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, kann insbesondere bei Befall des gesamten Dickdarms die Ent stehung von Krebs begünstigen. Morbus- Crohn-Patienten und Menschen, die unter Diabetes mellitus Typ 2 (Altersdiabetes) leiden, sind im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ebenfalls stärker gefährdet.

Wer selbst aktiv werden möchte im Kampf gegen Krebs, sollte die sogenannten Lifestyle- Faktoren wie Ernährung und Bewegung beachten. Auch für einen gesunden Darm gilt: Statt zu tierischen Fetten wie Butter und Sahne lieber zu Pflanzenölen aus ungesättigten Fettsäuren greifen, statt rotem Fleisch und Wurstwaren von Schwein und Rind lieber mehr frisches Gemüse und Obst auf den Tisch bringen – und dabei die Ballaststoffe nicht vergessen. Sie regen die Darmtätigkeit an und haben eine große Bedeutung für eine gesunde Verdauung. Körperliche Bewegung, wenigstens dreimal die Woche, verbraucht Kalorien und beugt dem Risikofaktor Adipositas vor. Alkohol und Nikotin gelten als Zellgifte und sollten ganz weggelassen werden.

Zeitpunkt der Diagnose ist entscheidend

Entwickelt sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein Karzinom im Dickdarm, entscheidet der Zeitpunkt der Erkennung über die Prognose. Je weniger das Karzinom gewachsen ist, desto größer ist die Chance auf eine Heilung. Ist die Krankheit schon weit fortgeschritten, wird die Therapie aufwendiger und belastender für den Patienten. Karzinome im fortgeschrittenen Stadium werden in der Regel bei Patienten entdeckt, die nie oder nur unregelmäßig eine Darmspiegelung vornehmen ließen.

Schmerzfreie Vorsorgeuntersuchung

Menschen mit den genannten Risikofaktoren, aber auch alle anderen Menschen ab dem vollendeten 55. Lebensjahr sollten daher die Möglichkeit der Vorsorgekoloskopie nutzen. Bedenken und Ängste vor möglichen Unannehmlichkeiten bei der Darmspiegelung müssen heutzutage kein Grund mehr sein, den Gang zum Gastroenterologen aufzuschieben. Eine „Schlafspritze“ hilft, wenn die notwendige Entfaltung des Darmlumens durch Luft als unangenehm empfunden wird. Auf diese Weise kann die Untersuchung in der Regel völlig schmerzfrei verlaufen. Die Entfernung der Polypen spürt der Patient nicht, da sich in der Darmschleimhaut keine schmerzleitenden Nerven befinden (siehe Infokasten).

Falls eine Vorsorgekoloskopie nicht in Anspruch genommen wird, hat der Patient die Möglichkeit, mit einem sogenannten Okkultbluttest verstecktes Blut im Stuhl nachzuweisen. Dies kann ein Zeichen für eine Darmkrebserkrankung sein. Allerdings ist okkultes Blut nur nachweisbar, wenn gerade tatsächlich eine Blutung vorhanden ist. Falls also Adenome oder Karzinome zum Zeitpunkt der Testung nicht bluten, wird ein falsch-negatives Ergebnis dabei herauskommen. Für die Darmkrebsfrüherkennung ermöglicht dieser Test folglich keinen sicheren Nachweis und es besteht die Gefahr, ein Karzinom zu verschleppen, bis es nicht mehr heilbar ist.

Was geschieht bei der Darmspiegelung?

Bei der Darmspiegelung werden alle Falten und Nischen der Schleimhaut auf Auffälligkeiten hin untersucht. Dafür wird etwas Luft eingegeben, um den Darm zu entfalten.

Anschließend wird ein Koloskop (ein spezielles Endoskop) bis in den obersten Bereich des Dickdarms eingeführt, falls nötig auch in den anschließenden Abschnitt des Dünndarms. In der Spitze des Koloskops befindet sich eine kleine Kamera, welche die Bilder aus dem Inneren des Darms auf einen Monitor überträgt. Durch einen Arbeitskanal kann der Gastroenterologe mithilfe einer kleinen Zange Gewebeproben zur weiteren Untersuchung entnehmen. Werden Polypen entdeckt, können sie sofort abgetragen werden. Dies erfolgt in der Regel ohne Schmerzen.

Warum kann die Darmspiegelung unangenehm sein?

Da der Dickdarm in variantenreichen Kurven und Schleifen verläuft, die beim Einführen des Koloskops gedehnt werden, können Schmerzen auftreten. Außerdem wird der Darm bei der Untersuchung mit Luft entfaltet. Auch das kann manchmal schmerzhaft sein. Auf Wunsch bekommt der Patient eine „Schlafspritze“, die ihn in einen Dämmerzustand versetzt und die Behandlung praktisch nicht spüren lässt.

Welche seltenen Komplikationen können auftreten?

1. Verletzung der Darmwand (Perforation): extrem selten (bei ca. einer von 10.000 bis 20.000 Untersuchungen, bei Abtragung von Polypen etwas häufiger)

2. Blutung nach Entnahme von Polypen: sehr selten (bei ca. einer von 200 bis 250 Entnahmen)

3. Störungen von Atmung, Herz und Kreislauf: bei Patienten mit schweren Atemwegs-, Lungenund Herzerkrankungen verursacht durch die „Schlafspritze“

4. Störungen durch die „Schlafspritze“ nach der Untersuchung, zum Beispiel eingeschränkte Reaktionsfähigkeit

Gastroenterologische Praxis im Facharztzentrum Regensburg, Dr. Benninger
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