Fachbeitrag Prostata-Vorsorge (MRT)

Neue Technologie: Prostata-Vorsorge mittels MRT

Von Dr. med. Timmo Noisternig, Facharzt für Radiologie und Experte für Prostata-Bildgebung


Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 50.000 Männer an Prostatakrebs. Somit handelt es sich beim Prostatakarzinom um die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Das Prostatakarzinom macht gut 20 Prozent aller Krebserkrankungen des Mannes aus, gefolgt von Darm- und Lungenkrebs mit je etwa 15 Prozent. In der Bundesrepublik Deutschland sterben knapp drei von 100 Männern an Prostatakrebs.

Als Ursachen gelten neben fettreicher Ernährung, Hormoneinflüssen und Umweltfaktoren vor allem genetische Faktoren. Sind Vater oder Bruder erkrankt, steigt das eigene Risiko auf das Doppelte, sind beide erkrankt, erhöht sich laut einer Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts das Risiko sogar um den Faktor 11. Durch Obduktionen ist bekannt, dass bis zu 80 Prozent der über 70-Jährigen an einem sogenannten latenten Prostatakarzinom leiden (Quelle: C. Börgermann, H. Rübben: Früherkennung des Prostatakarzinoms. In: Dtsch. Ärztebl. 103, 2006, S. 2399 – 2406).

Diagnostische Lücken in der Früherkennung

Für Männer ab dem 45. Lebensjahr wird die jährliche Tastuntersuchung der Prostata durch den Urologen empfohlen. Leider werden bei dieser Untersuchung sowohl kleinere Tumoren als auch die in den vorderen Anteilen der Prostata gelegenen Tumoren häufig nicht erkannt. Auch der regelmäßig eingesetzte Ultraschall vermag diese diagnostische Lücke nicht zu schließen.

Zusätzlich wird in aller Regel der sogenannte PSAWert (prostataspezifisches Antigen) bestimmt. Dieser Wert ist jedoch häufig auch im Rahmen einer gutartigen Prostatavergrößerung erhöht und stellt somit ebenfalls keine verlässliche Methode dar, um eine Krebserkrankung nachzuweisen. Aus diesem Grund wird von den verschiedenen Fachgesellschaften gegenwärtig kein flächendeckendes PSA-Screening empfohlen.

Bei Vorliegen eines suspekten Tastbefunds oder eines erhöhten PSA-Werts entscheidet sich der Urologe meist für eine ungezielte Biopsie. Wie bei allen bekannten Krebsarten gilt: Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Das Prostatakarzinom wächst jedoch oftmals an mehreren Stellen, sogenannten Herden, gleichzeitig. Leider werden bei der ungezielten Probenentnahme viele Karzinome übersehen, sodass sich der Patient zu Unrecht in Sicherheit fühlt. Im ungünstigsten Fall muss eventuell die Biopsie wiederholt werden. Bei der ungezielten Probenentnahme wird oftmals nicht der aggressivste Herd biopsiert, was letztlich dazu führt, dass der Patient nicht optimal behandelt wird. Ein unauffälliger MRT-Befund hingegen schließt ein klinisch relevantes Karzinom mit hoher Sicherheit aus. Demgegenüber werden durch die alleinige Stanzbiopsie viele „low risk“-Karzinome gefunden, die aufgrund ihres teils extrem langsamen Wachstums niemals klinisch relevant geworden wären. Dies führt zunehmend zu einer Verunsicherung und unnötigen psychischen Belastung der Patienten.

Prostata-MRT ermöglicht zielgenaue Biopsie

Die multiparametrische MRT ist das derzeit beste Verfahren zur Darstellung der Prostata und erlaubt es, einen karzinomverdächtigen Befund dreidimensional darzustellen sowie eine Aussage über das Tumorstadium zu treffen. Der Facharzt für Radiologie analysiert systematisch alle Regionen der Prostata und listet suspekte Areale auf. Dies ermöglicht im nächsten Schritt dem Urologen, gezielt eine Probe aus einem auffälligen Areal zu entnehmen. Hierzu werden die MRT-Daten mit den Ultraschallaufnahmen, auf denen der Tumor meist unsichtbar ist, verschmolzen. Anschließend wird der suspekte Befund unter Ultraschallkontrolle gezielt biopsiert. Dieses Vorgehen wird als Fusions-Biopsie bezeichnet und erlaubt es, auch besonders kleine oder ungünstig gelegene Herde mit einer guten Treffsicherheit zu biopsieren.

Patienten mit einem durch Biopsie bereits gesicherten, wenig aggressiven Tumor können diesen im Rahmen der sogenannten aktiven Überwachung („active surveillance“) mittels MRT-Kontrollen überwachen lassen, ohne sich regelmäßigen schmerzhaften Folgebiopsien unterziehen zu müssen. Sollte es im Rahmen der Überwachung zu einem Größenwachstum des Tumors kommen, wird dieses sicher erkannt und der Urologe kann die Behandlung entsprechend anpassen. Darüber hinaus kommt die MRT vollkommen ohne Röntgenstrahlen aus und kann daher beliebig oft durchgeführt werden.

Die multiparametrische MRT als Basis der Zusammenarbeit zwischen Radiologen und Urologen stellt mit der Möglichkeit der anschließenden Fusions- Biopsie das derzeit genaueste diagnostische Verfahren in der Früherkennung des Prostatakarzinoms dar.