Grünflächenpflege

Grünflächen – pflegeleicht und „bügelfrei“!?

Von Ruth Fehrmann, Dipl.-Ing. (FH) Landschaftsarchitektur

Das Team Lichtgrün mit Ruth Fehrmann (2. v. li.)

Gut gestaltete Grünflächen erhöhen die Attraktivität einer Stadt, einer Wohnanlage oder eines Verwaltungsgebäudes. Aber Städte wachsen, der Anteil zu pflegender Grünflächen nimmt zu, Personal wird nicht aufgestockt. Wozu also investieren in die Attraktivität der Grünanlage, wenn kein Geld und keine Zeit für die Pflege da sind?

Gute Gestaltung sorgt für Attraktivität

Die Unterhaltungspflege der Grünanlage nimmt über die Lebensdauer eines Gebäudes einen nicht unerheblichen Kostenanteil ein und bindet Personal. Eben deswegen müssen öffentliche und halböffentliche Grünflächen gut gestaltet sein, damit sie pflegeleicht sind, aber auch attraktiv bleiben.

Wie groß der Wunsch nach Pflegeleichtigkeit ist, lässt sich derzeit an der Menge der Steine ablesen, die im Vorgarten abgeladen werden, um den Unkrautaufwuchs zu verhindern. Geröllfelder sind angesagt. Sie lösen die Einheitsbodendecker ab, die immergrüne Gleichförmigkeit, in der das Auftreten jedes einzelnen Löwenzahns eine optische Katastrophe ist.

Geht’s auch anders? Eine der vielen Antworten könnte sein, mehr statt weniger Pflanzen zu verwenden. Vielfalt, Buntheit und Blütenreichtum – verwenden wir doch wieder mehr Pflanzen! Und vielleicht ist der Rasen dann bereichsweise kein englischer, sondern eine bunte Wiese.

Pflegeleichte Staudenmischpflanzungen

Schon seit Jahren werden sie für öffentliche und private Grünflächen im Straßenraum, für Parks, Gewerbe- und Wohngebiete an verschiedenen Lehr- und Versuchsanstalten entwickelt und trotzdem kaum verwendet: Pflanzenmischungen, die hauptsächlich aus Stauden bestehen und richtig angelegt mit einem Minimum an Pflege auskommen. Dabei ist der Grundgedanke, möglichst schnell eine geschlossene Pflanzendecke aus standortgerechten Stauden und relativ kurzlebigen, aber sich selbst aussäenden Arten zu schaffen. Ist dies erreicht, haben „Unkräuter“ kaum noch eine Chance beziehungsweise passen sich als Wildkraut unauffällig in die Pflanzung ein.

Wenn der Bestandsschluss erreicht ist, besteht die Pflege im Wesentlichen aus einem Rückschnitt im Spätwinter durch Abmähen. Und dieser erfolgt nicht in kostenintensiver Handarbeit, sondern mechanisch, weil jeweils die komplette Fläche abgemäht wird. Eine gewisse Mindestgröße der Fläche ist daher von Vorteil. Gewässert wird nur in der Anwachsphase und bei sehr lang anhaltenden Trockenperioden, weil sich die Präriestaudenmischungen aus trockenheitstoleranten Arten zusammensetzen.

Der Boden ist das A und O

Der einzige saure Apfel, in den man beißen muss, ist die gute Bodenvorbereitung als wichtigste Voraussetzung für das Gelingen. Der Boden muss unbedingt von Wurzelunkraut frei sein. Denn: „Unkraut ist alles, was nach dem Jäten wieder wächst.“ (Mark Twain) … und diese Pflegezeit kostet. Ein queckenverseuchter Oberboden, der gerade günstig zu haben ist, scheidet also aus. Um trockenheitsverträgliche Mischungen verwenden zu können, muss der Boden ohnehin mager sein. Daher bietet sich die Verwendung eines möglichst oberbodenfreien Ersatzsubstrates ähnlich wie bei einer Dachbegrünung an. Das ist zwar teurer in der Anschaffung, aber günstiger in der Pflege. Pflanzungen auf Austauschsubstrat sind dann sogar in der Anwachsphase bis auf den jährlichen Rückschnitt praktisch „bügelfrei“.

Grünflächenpflegemanagement

Bei der Vielzahl an Flächen mit unterschiedlichen Pflegeanforderungen ist es für Bauherren oder Kommunen oft nicht einfach, den Überblick zu behalten, welche Flächen wann und wie zu pflegen sind, noch dazu, wenn man mit einem lebendigen Baustoff arbeitet, der manchmal seine Eigendynamik entwickelt. Hilfreich kann es sein, auch die Grünanlage in das Facility Management des Gebäudes miteinzubeziehen. Bei der Übergabe sollte mindestens ein langfristig angelegtes Pflegekonzept oder ein Pflegehandbuch vorhanden sein, das auch tatsächlich praktisch angewendet wird.

Fazit

Grünflächen sind nicht „bügelfrei“ – so wie nahezu nichts im Leben. Aber es ist durchaus noch Potenzial abseits vom vermeintlich pflegeleichten Standard vorhanden, die Grünflächen pflegeleichter und dennoch attraktiv zu gestalten.

Lichtgrün Landschaftsarchitektur
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