Orthopädie

Aufrecht durch das Leben gehen – ohne Schmerzen und Einschränkungen

Von Dr. med. Ingo Bathelt über die vielfältigen Möglichkeiten und Therapieformen des Fachgebietes Orthopädie

Dr. med. Ingo Bathelt

Orthopädie für alle Menschen

Die Orthopädie ist ein medizinisches Fachgebiet, das allen Menschen gleichermaßen helfen kann: Frauen und Männern jeden Alters. Das Wort selbst stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „aufrecht“. Damit erklärt sich das Aufgabengebiet der Orthopädie sehr anschaulich: Orthopädie befasst sich mit der Entstehung, Verhütung und Behandlung angeborener oder erworbener Form- oder Funktionsfehler des Stütz- und Bewegungsapparates.

Konkret bedeutet dies die Behandlung von Verletzungen und Veränderungen an Knochen, Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bändern. Dies macht deutlich, dass der Orthopäde sich weit mehr als „nur“ mit den klassischen Rückenschmerzen beschäftigt. Säuglinge beispielsweise können von Geburt an Schädigungen aufweisen oder sich während der Geburt verletzen, indem sie sich etwa einen Schlüsselbeinbruch zuziehen. Als weitere Behandlungsfelder sind zu nennen: Arthritis, Arthrosen, aseptische Knochennekrosen wie Morbus Perthes sowie Bänderrisse, Frakturen und Gelenkinfektionen.

Ferner hilft der Orthopäde auch bei den folgenden Erkrankungen und Problemen:

  • Hexenschuss
  • Fußdeformitäten
  • maligne Knochenerkrankungen
  • Pseudarthrosen
  • Skoliose
  • Muskelerkrankungen, -verletzungen
  • Nervenreizsyndrome
  • bandscheibenbedingte Schmerzen

Die Behandlungsmethoden haben in den vergangenen Jahrzehnten einen stetigen Fortschritt erfahren. Während der Orthopäde früher eine Art „Generalist“ und somit grundsätzlich für alle Versorgungen des Stütz- und Bewegungsapparates zuständig war, haben sich die Orthopäden in der jüngsten Vergangenheit in eine der beiden (grob umfassten) Richtungen spezialisiert: konservativ tätige und operativ tätige Orthopäden.
Natürlich profitiert in erster Linie der Patient vom rasanten medizinischen Fortschritt auf dem Gebiet der Orthopädie. Operative Versorgungen beispielsweise werden zunehmend ambulant durchgeführt. Verbesserte Operationstechniken ermöglichen heutzutage minimalinvasive Zugänge (Arthroskopie). Lange und belastende Krankenhausaufenthalte fallen damit weg.

Neue Krankheitsbilder

Es gibt allerdings auch negative Entwicklungen, die jedoch auf den Lebensstil des modernen Menschen des 21. Jahrhunderts zurückzuführen sind: Zu wenig Bewegung einerseits und zu vieles Sitzen andererseits gehen nicht spurlos am Bewegungs- und Stützapparat des Menschen vorüber. Auch der aufrechte Gang mit seiner Mehrbelastung trägt zu Fuß- und Wirbelsäulenbeschwerden bei. Diese Probleme erfordern immer häufiger operative Eingriffe. Dank moderner OP-Methoden bei Fußfehlstellungen und minimalinvasiver Schmerztherapie bei Wirbelsäulenbeschwerden haben die Betroffenen jedoch gute Aussichten auf eine schnelle Heilung.

Experten sind sich einig, dass die Orthopädie in den nächsten Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. Enorm wichtig wird dabei die Prävention von Krankheiten des Bewegungs- und Stützapparates sein. Schon heute arbeiten viele Orthopäden in einem Team mit Physiotherapeuten, Orthopädietechnikern, Rehabilitationseinrichtungen und Ernährungsberatern zusammen.

Aber auch auf dem Gebiet der Orthopädie selbst wird es einen weiteren medizinischen Fortschritt geben. Zu nennen sind etwa neue Behandlungsmöglichkeiten. Das sogenannte „Tissue Engineering“ beispielsweise bedeutet eine biologische Regeneration bei Schäden und Verletzungen im Stütz- und Bewegungsapparat. Das ist ein weiterer Schritt bei der Wiederherstellung der Mobilität des Patienten.