Umsatzsteuer

Neue Möglichkeiten der Anstellung für Ärzte in Facharztzentren

Von Dipl.-Betriebsw. (FH) Joachim Ertelt, Steuerberater und Mitinhaber von SLE – Striefler | Langheinrich | Ertelt

Dipl.-Betriebsw. (FH) Joachim Ertelt, Steuerberater

Die Gesundheitsausgaben in Deutschland belaufen sich auf über 300 Milliarden Euro im Jahr, Tendenz steigend. Mit einem Anteil am Bruttoinlandsprodukt von 11,3 Prozent und Wachstumsraten in den zurückliegenden Jahren von jährlich circa 3,7 Prozent (Gesamtwirtschaft: 2,3 Prozent) zeigt sich, welchen hohen volkswirtschaftlichen Stellenwert das Gesundheitswesen einnimmt. Allein für die medizinische Versorgung der gesetzlich Krankenversicherten wurden im Jahr 2013 183 Milliarden Euro verausgabt.

Mehr Freiraum für medizinische Versorgungszentren

Der Gesetzgeber hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, den Wettbewerb der Akteure des Gesundheitswesens untereinander zu stärken, um so bei begrenzten finanziellen Mitteln ein Höchstmaß an medizinischer Versorgung zu garantieren. Zur Erreichung dieses politisch erwünschten Ziels wurden – neben einer Vielzahl weiterer Maßnahmen – neue Formen der Berufsausübung zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassen, die das unternehmerische Denken und Handeln der Ärzteschaft stärken sollen. Exemplarisch hierfür steht das medizinische Versorgungszentrum, das in seiner Ausgestaltung an die Polikliniken der ehemaligen DDR angelehnt ist.

Bereits mit dem GKV-Modernisierungsgesetz vom 14. November 2003 wurden fachgruppenübergreifende medizinische Versorgungszentren zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassen. Merkmal dieser Versorgungsform ist unter anderem die dem Grunde nach unbeschränkte Möglichkeit zur Anstellung von Ärzten. Mit Inkrafttreten des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes zum 1. Juli 2015 wurde § 95 (1) S. 2 SGB V dahingehend geändert, dass nunmehr auch fachgruppengleiche medizinische Versorgungszentren errichtet werden können. Somit können in Zukunft auch reine Zahnärzte- oder Hausärzte-MVZ an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen.

Der Arzt als Unternehmer

Die stetigen Novellierungen des Sozialgesetzbuches haben unmittelbaren Einfluss auf andere Rechtsgebiete, mit denen der Arzt als Unternehmer konfrontiert ist. Einkommensteuerrechtlich erzielen Ärzte als Angehörige eines freien Berufs Einkünfte aus selbstständiger Arbeit gemäß § 18 (1) Nr. 1 EStG. Wesensmerkmal eines freien Berufs und zugleich Abgrenzungskriterium gegenüber Gewerbetreibenden ist die fachliche Vorbildung sowie die eigenverantwortliche und leitende Leistungserbringung des Berufsangehörigen.

Die Möglichkeit der Anstellung von Ärzten in einem medizinischen Versorgungszentrum führt gegebenenfalls dazu, dass eine eigenverantwortliche und leitende Tätigkeit des Praxisinhabers nicht mehr gewährleistet ist, mit der Folge, dass die Einkünfte aus selbstständiger Arbeit in solche aus einem Gewerbebetrieb umqualifiziert werden und die erzielten Einkünfte der Gewerbesteuer zu unterwerfen sind. In Abhängigkeit des kommunalen Gewerbesteuerhebesatzes führt dies gegebenenfalls zu einer steuerlichen Mehrbelastung aufseiten des Arztes. Sofern ein medizinisches Versorgungszentrum sich der Rechtsform einer GmbH bedient, ist das erzielte Einkommen körperschaftsteuerpflichtig nach § 1 (1) Nr. 1 KStG.

Den Ärzten stehen heutzutage mehr Möglichkeiten denn je zur unternehmerischen Entfaltung zur Verfügung. Die Vielzahl an Optionen birgt jedoch auch die Gefahr von Fehlentscheidungen in sich. Die genaue Kenntnis der steuer-, berufs- und sozialrechtlichen Regelungen seitens der Beraterschaft ist unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg des Arztes als Unternehmer.

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