Darmspiegelung

Darmkrebs im Visier: Frühvorsorge senkt das Risiko enorm

Von Dr. med. Reinhard Burlefinger, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie

Dr. med. Reinhard Burlefinger

Der medizinische Fortschritt hat in den letzten 25 Jahren die Heilungschancen bei Darmkrebs massiv verbessert. Immer mehr Menschen mit dieser Diagnose überleben. Der entscheidende Faktor hierbei ist die Vorsorge. Wer regelmäßig zur Früherkennung geht, hat die Möglichkeit, dass die Krankheit diagnostiziert und behandelt wird, bevor sie ausbricht.

„Wer keine Zeit für seine Gesundheit hat, wird Zeit für seine Krankheit haben“, wusste schon der französische Schriftsteller Victor Hugo im 19. Jahrhundert. Dies gilt auch für Darmkrebs: Je früher ein Tumor oder seine Vorstufen, die sogenannten Polypen, entdeckt werden, desto besser und erfolgreicher kann behandelt werden. Darmkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung in Deutschland. Rund 27.000 Betroffene pro Jahr sterben allein hierzulande an einem bösartigen Darmtumor. Dabei ist Darmkrebs im Frühstadium fast immer heilbar. Weil er keine Schmerzen und kaum andere Symptome verursacht, wird er ohne Vorsorge erst spät erkannt und die Sterberate ist dann hoch. Normalerweise treten erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium der Krankheit Beschwerden wie Verstopfungen, Darmkrämpfe sowie Blut oder Schleim im Stuhl auf. Ohne Operation ist dann in der Regel keine Heilung möglich. Medikamentöse Therapien, Bestrahlungen und Operationen haben die Heilungschancen bei Darmkrebs zwar massiv verbessert und viel mehr Menschen überleben die Erkrankung, doch die Erfolge der Vorsorge sind noch besser. Bei einer frühzeitigen Vorsorge-Darmspiegelung können eventuell vorhandene Polypen entfernt und dadurch ein Darmkrebs verhindert werden.

Der genaue Blick in den Darm gilt als die wichtigste Maßnahme zur Darmkrebserkennung. Bei einer Darmspiegelung untersucht der Arzt das Verdauungsorgan, das über 100-mal so viel Fläche wie die menschliche Haut verfügt. Für den Blick in den Darm verwendet der Arzt ein Endoskop, ein biegsames, schlauchähnliches Instrument mit einer Kamera und einer kleinen Lampe, das über den After eingeführt wird. Die Bilder der Kamera werden auf einen Bildschirm übertragen und vergrößert. So können auch kleinste Veränderungen erkannt werden.

Findet der Arzt Polypen, wird er diese in den meisten Fällen noch während der Spiegelung per Endoskop abtragen und auf Krebszellen hin untersuchen lassen. Diese Vorstufen einer bösartigen Erkrankung können dann auch nicht mehr weiterwachsen. Selbst wenn sich Krebszellen im Polypen finden lassen, ist dieser Krebs in aller Regel dann in einem frühen Stadium erkannt und durch die Abtragung entfernt und somit der Patient geheilt worden.

Schlafspritze nimmt Angst

Damit die Schleimhaut gut beurteilt werden kann, muss der Darm vollständig entleert sein. Dafür werden verschiedene Methoden angewendet. In unserer Praxis nimmt der Patient am Vortag lediglich zwei Tabletten und/oder ein Glas salziges Abführmittel sowie am Untersuchungstag einen Liter gut verträgliche süße Abführflüssigkeit zu sich. Für die Endoskopie selbst wird, sofern gewünscht, dem Patienten ein Beruhigungsmittel verabreicht. Diese gut verträgliche Schlafspritze nimmt die Angst und versetzt den Patienten in eine Art Dämmerzustand. Von der Untersuchung selbst merkt man letztendlich gar nichts, sie verläuft schmerzfrei.

Als Alternativen zur konventionellen Darmspiegelung kommen die virtuelle Kolographie mittels Röntgen (CT) oder die Kernspintomographie sowie die Kolonkapsel- Endoskopie in Betracht. Für Letzteres schluckt der Patient eine kapselförmige Minikamera mit etwas Flüssigkeit, die mit einem Sender ausgestattet ist.

Die Kapsel sendet auf dem Weg durch den Körper Bilder vom Magen-Darm-Trakt an ein Aufzeichnungsgerät. Die Kapsel wird auf natürlichem Weg ausgeschieden. Doch diese Verfahren ersetzen die Darmspiegelung nur, wenn sich kein auffälliger Befund ergibt. Denn eine Behandlung von Läsionen oder eine Entfernung von Polypen kann mit diesen Methoden naturgemäß nicht erfolgen, sodass anschließend dann trotzdem eine Darmspiegelung durchgeführt werden müsste.

Gesunder Lebensstil senkt Darmkrebsrate

Etwa 90 Prozent der Darmkrebserkrankungen entwickeln sich aus zunächst gutartigen Darmpolypen. Darmkrebs entsteht allerdings nicht durch ein einziges schädigendes Ereignis. Es dauert meist Jahrzehnte, bis sich eine kritische Anzahl solcher Genveränderungen in einer Zelle angehäuft haben und die Zellen dann anfangen, sich unkontrolliert zu teilen. Eine solche Entwicklung kann durch einen ungesunden Lebensstil begünstigt werden. Besonders ab dem Alter von 50 Jahren steigt das Risiko für Darmkrebs an.

Der gesunde Darm ist die Wurzel unseres Körpers. 80 Prozent der Immunabwehr sitzen in diesem Verdauungsorgan. Darum sollte es stets pfleglich behandelt werden. Zu wenig Bewegung, Übergewicht, zu viel und zu fettes Essen, zu wenig Obst und Gemüse, dazu noch reichlich Alkohol und Zigaretten – die Darmkrebsrate ließe sich möglicherweise halbieren, würden die Menschen gesünder leben.