Urolog. Krankheitsbilder

Die häufigsten urologischen Krankheitsbilder bei jungen Männern

Von Priv.-Doz. Dr. med. Markus Bader, Facharzt für Urologie und Sexualmedizin, Lasermedizin, Onkologische Urologie

Priv.-Doz. Dr. med. Markus Bader

Vorzeitiger Samenerguss

Rund jeder dritte bis fünfte Mann im Alter zwischen 18 und 59 Jahren leidet darunter. Wann ist der Samenerguss vorzeitig? Wenn er noch vor dem Eindringen in die Scheide oder nach weniger als ein bis zwei Minuten nach Penetration auftritt. Sind die Ursachen bekannt, gibt es Behandlungsmöglichkeiten, unter anderem auch Medikamente, die die Botenstoffe im Gehirn verändern.

Krampfadern der Hoden (Varikozelen)

Etwa fünf Prozent der Jugendlichen und 15 Prozent der erwachsenen Männer haben Krampfadern, meist im linken Hoden auftretende Gebilde. Typische Symptome sind Schwellungen und ein Spannungsgefühl. Krampfadern können dazu führen, dass sich der Hoden zu stark erwärmt, was die Spermienqualität beeinträchtigt.

Sexuell übertragbare Erkrankungen (STD; sexually transmitted diseases)

Zu sexuell übertragbaren Erkrankungen gehören Chlamydien, Mykoplasem, Ureaplasmen und Gonokokken. Auch bei Männern sind STD-Keime hochansteckend und nicht harmlos. Beim infizierten Mann nisten sich die Bakterien in der Harnröhre, der Prostata oder den Nebenhoden ein. Es kann zu einer Prostata- und Samenleiterentzündung kommen. Verkleben dadurch die Samenleiter, kann der Mann zeugungsunfähig werden. Außerdem kann er eine neue Partnerin anstecken. Die Infektionen sind mit Antibiotika gut behandelbar.

Hodenhochstand

Bis zu drei Prozent der reifen männlichen Neugeborenen haben einen Hodenhochstand. Ursache sind hormonelle Störungen. Dabei können sich Hoden, die in der Leiste oder in der Bauchhöhle verbleiben, durch die beengten Verhältnisse nicht normal entwickeln. Sie bleiben kleiner und können einerseits Schäden in der Spermienproduktion aufweisen, andererseits erhöht sich durch den Hodenhochstand das Risiko für die Entstehung eines bösartigen Hodentumors. Ein Hodenhochstand multipliziert das Risiko für Hodenkrebs um das 15- bis 30-Fache. Im Bauchraum verbliebene Hoden sind dabei mit einem höheren Risiko verknüpft als Leistenhoden.

Hodentumoren und Hodenkrebs

Jährlich erkranken etwa 4.000 junge Männer an Hodentumoren und -krebs. Die Häufigkeit des Hodentumors hat sich in Deutschland innerhalb von 20 Jahren verdoppelt. Hodenkrebs ist in der Altersgruppe zwischen 20 und 25 Jahren der häufigste Krebs bei Männern. Je früher der Krebs erkannt wird, desto besser ist die Prognose. Die Fünfjahresüberlebensrate liegt bei Frühstadien bei über 90 Prozent. Bei 95 Prozent der Betroffenen treten Hodentumoren nur einseitig auf. Eine verhärtet tastbare Vergrößerung im Hodensack ist ein deutlicher Hinweis auf einen Tumor. Auch ein Schweregefühl oder Ziehen in Hoden oder Leiste sind verdächtig. Schmerzen treten in der Frühphase selten auf. Um mögliche Veränderungen frühzeitig zu entdecken, ist die regelmäßige Selbsttastung unabdingbar, da sonstige Früherkennungsmöglichkeiten nicht existieren. Für die Diagnosestellung sind eine körperliche Untersuchung sowie eine Ultraschallanwendung und ein Check der Tumormarker im Blut notwendig. Röntgenuntersuchungen können zeigen, ob der Krebs bereits gestreut hat – selbst dann ist eine Heilung noch gut möglich.

Für eine komplette Vorsorge reichen die gesetzlichen Leistungen nicht aus
Vorsorge Urologie

Mit den Vorsorgeuntersuchungen sollen Gefahren für die Gesundheit rechtzeitig erkannt werden. Denn gerade für bösartige Krankheiten gilt: Je früher sie diagnostiziert werden, desto größer sind die Heilungschancen. Manche Krankheiten lassen sich sogar ganz vermeiden, wenn entsprechende...

Von Priv.-Doz. Dr. med. Michael Seitz, Facharzt für Urologie, Spezielle Urologische Chirurgie, Lasermedizin, Onkologische Urologie