Allergie/Asthma

Von der Allergie zum Asthma – Möglichkeiten der Behandlung

Von Dr. med. Jan Feimer, Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde, Allergologie und schlafbezogene Erkrankungen

Dr. med. Jan Feimer

Nach heutigem Stand der Forschung tragen zwei Faktoren wesentlich zur Entstehung allergischer Erkrankungen bei: die Gene und Umweltfaktoren. Bei der allergischen Form des Asthmas kommt es zu einer allergischen Reaktion auf einen äußeren Auslöser, das Allergen, eigentlich ungefährliche Stoffe wie Blütenpollen oder Tierhaare. Während das Immunsystem gesunder Menschen diese Allergene ignoriert, reagiert der Körper des Asthmatikers mit einer verkrampften Atemmuskulatur oder zähem Schleim auf den Atemwegen.

Allergisches und intrinsisches Asthma bei Erwachsenen

Neben Pflanzenpollen, den wohl bekanntesten Allergenen, und Tierhaaren gibt es noch eine Vielzahl weiterer allergener Stoffe: vom Kot der Hausstaubmilbe über Schimmelpilzsporen bis zu Mehl- und Holzstaub. Sind Pollen die Auslöser, spricht man von saisonalem Asthma, da die Beschwerden lediglich während der Pollensaison auftreten. In bis zu 80 Prozent der Fälle werden bei Erwachsenen Allergien als Krankheitsursache für Asthma ermittelt. Neben einer akuten Reaktion durch das Allergen kann sich über einen dauerhaften Entzündungszustand in den Atemwegen eine allgemein erhöhte Empfindlichkeit der Bronchien entwickeln (bronchiale Hyperreagibilität). Die Folge: Patienten reagieren auch auf unspezifische Reize wie Zigarettenrauch, Infektionen und kalte oder verschmutzte Luft mit Symptomen.

Bei der nicht allergischen Form der Erkrankung, intrinsisches Asthma genannt, kommt es ebenso zu einer chronischen Entzündung und einer Überempfindlichkeit in den Atemwegen. Anders als das allergische Asthma beginnt diese Form fast immer erst im Erwachsenenalter, meist im vierten Lebensjahrzehnt, und tritt häufig nach einer Virusinfektion der Atemwege auf. Der Schweregrad der Erkrankung schwankt zwar weniger als beim allergischen Asthma, zeigt jedoch häufig gleich von Anfang an eine schwerere Verlaufsform.

Betroffene Kinder und Jugendliche

Bei Kindern unter fünf bis sechs Jahren ist die Diagnose des allergischen Asthmas schwer zu stellen. So treten spastische oder obstruktive Entzündungen der Bronchien auf, die Begleiterscheinungen von Infekten sind und sich spätestens bis zum Schulalter wieder zurückbilden. Das klinische Erscheinungsbild ist kaum von einem echten Asthma bronchiale zu unterscheiden, das früh im Leben beginnen kann. Auch Stress während der Schwangerschaft soll allergische Erkrankungen beim Kind begünstigen. Wenn Schulkinder und Jugendliche an Asthma leiden, ist die Ursache vor allem im allergischen Asthma zu suchen, das aber mit zunehmendem Alter wieder verschwindet oder die Beschwerden zumindest deutlich abnehmen.

Der Stand der Forschung heute

Trotz intensiver Forschungsbemühungen gibt es bis heute keine Möglichkeit, Asthma zu heilen. Die obersten Ziele jeder Asthmatherapie lauten jedoch: weitestgehende Beschwerdefreiheit und möglichst uneingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit. Die Behandlung besteht vor allem aus einer medikamentösen Therapie mit dem Ziel, die chronische Entzündung, die erhöhte Empfindlichkeit der Bronchien und die Verengung der Atemwege zu beheben. Patientenschulungen helfen, die Symptome besser einzuschätzen.

Allergiker können Asthma bronchiale mit einer (allergen-)spezifischen Immuntherapie (SIT), auch Hypo- oder Desensibilisierung genannt, vorbeugen. Sie reduziert wissenschaftlichen Studien zufolge das Risiko für einen Etagenwechsel deutlich. Die SIT basiert auf einer wiederholten subkutanen Injektion des Allergens in ansteigenden Dosen, wodurch der Patient eine Toleranz gegenüber dem Allergen entwickelt.

Zur SIT gehört neben der subkutanen Immuntherapie (SCIT), bei der unter die Haut gespritzt wird, noch die sublinguale Immuntherapie (SLIT), bei der Tropfen unter die Zunge verabreicht werden. Gerade bei Kleinkindern würde sich Zweiteres anbieten. Einige neuere Studien zur SLIT zeigten bei Kindern jedoch keine überzeugende, klinisch relevante Wirksamkeit. Mittlerweile wurde durch zwei unabhängige Studien mit Tablettenprodukten zur Behandlung von Heuschnupfen mit begleitendem Asthma eine klinisch relevante Besserung nach viermonatiger Behandlung nachgewiesen.