Gastroenterologie

Wohliges Bauchgefühl – Darmspiegelung mit der schonenden CO2-Insufflation

Von Dr. med. Christoph Völker, Dr. med. Andrew Alcock, Dr. med. Iris Hesse, Dr. med. Peter Wallisch

Die moderne Endoskopie erlaubt einen Einblick in das Innere des Menschen – sei es Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm oder Dickdarm – ohne dass dem Patienten eine Wunde oder Narbe wie bei einem operativen Eingriff zugefügt werden muss. Dabei kann nicht nur Diagnostik betrieben werden, auch therapeutische Eingriffe sind mit Spezialwerkzeugen über das Gerät möglich. Sogar der gesamte Dünndarm kann mit Spezial-endoskopen oder Videokapseln bei besonderen Frage stellungen zugänglich gemacht werden.

Die Darmspiegelung (Coloskopie) ist eine Untersuchung des unteren Verdauungstrakts. Sie liefert Informationen über die Darmschleimhaut und ist die Methode der Wahl zur Abklärung von Entzündungen des Darms, Blutungen und veränderten Verdauungsgewohnheiten.

  • Was geschieht bei einer Darmspiegelung?
  • Warum soll ich die Untersuchung durchführen lassen?
  • Eine verbesserte, weniger belastende Vorbereitung
  • Eine absolute Schmerzfreiheit durch moderne Schlafmittel (Sedierung)
  • Schonende Untersuchung ohne Blähbauch durch Kohlendioxid-(CO2-)Insufflation

Vorbereitung

Im Gegensatz zu früher kann heute die Koloskopievorbereitung mit einer geringeren Spüllösung durchgeführt werden – normalerweise mit zwei Litern, die gut verträglich sind. Es gibt sogar schon Vorbereitungslösungen, die mit weniger als 500 Milliliter auskommen. Hier muss der Patient lediglich ausreichend klare Flüssigkeit wie Wasser oder Tee dazu trinken.

Schmerzfreiheit durch Schlafmittel (Sedierung)

Die Sedierung besitzt naturgemäß einen hohen Stellenwert in der gastroenterologisch-endoskopischen Diagnostik und Therapie. Ziel ist es, alle Untersuchungen schmerzfrei durchzuführen, sodass eine generelle Sedierung angeboten werden kann. Eine Sedierung führt zu einer Art Tiefschlaf mit Toleranz und Unempfindlichkeit gegenüber Schmerzreizen. Die modernen Schlafmittel, zum Beispiel Propofol, ermöglichen aufgrund ihrer sehr kurzen Halbwertszeit eine exakte Dosierung und ein extrem rasches, vollständiges Aufwachen nach der Untersuchung. Die leitliniengerechte Durchführung der Sedierung durch speziell ausgebildetes Personal und eine sorgfältige Überwachung der Patienten ist dabei Standard (Ekg, Blutdruckmessung, Sauerstoffsättigungsmessung).

Wohliges Bauchgefühl mit der schonenden CO2-Insufflation

Die Darmspiegelung mit dem medizinischen Gas CO2 (Kohlendioxid) statt mit normaler Raumluft bringt deutliche Vorteile für den Patienten mit sich. CO2 besitzt den Vorzug einer circa 150-fach schnelleren Aufnahme (Resorption) aus dem Darm als die bisherige Raumluft; dieser Effekt beginnt bereits während der Untersuchung. Das in den Untersuchungen eingesetzte CO2 wird dann rasch und vollständig unbemerkt über die Lunge abgeatmet. Dadurch werden Blähungen und Bauchschmerzen, wie sie bisher unter Verwendung von Raumluft auftreten konnten, nach der Darmspiegelung nahezu vollständig verhindert. Das eingesetzte CO2 ist in zahlreichen medizinischen Studien untersucht worden und hat sich als sicher und effektiv erwiesen. Die CO2-Koloskopie ist hinsichtlich der Patientenzufriedenheit der herkömmlichen Raumluftkoloskopie deutlich überlegen.

Sinn der Darmkrebsvorsorge

Eine Spiegelung des oberen und unteren Verdauungstrakts (Gastroskopie beziehungsweise Koloskopie) wird einerseits aufgrund von bestimmten Beschwerdebildern wie beispielsweise Sodbrennen, unklaren Oberbauchschmerzen oder Darmblutungen durchgeführt. Andererseits ist die Darmspiegelung mittlerweile fest verankert als wichtiger Vorsorgeaspekt, um Darmkrebs – die inzwischen häufigste Krebsart bei Frauen und Männern in Deutschland – zu verhindern. Dies zeigt sich auch darin, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Vorsorgekoloskopie ab dem 55. Lebensjahr empfehlen.

Seit Langem ist bekannt, dass ein bösartiger Tumor im Dickdarm meistens nicht plötzlich entsteht. Er entwickelt sich in den meisten Fällen aus gutartigen Vorstufen, den sogenannten Polypen (Adenomen). Über verschiedene Stufen können so nach Jahren auch aus kleinen Polypen bösartige Darmtumoren (Darmkrebs, Kolonkarzinom) entstehen. Bei Polypen über zwei Zentimeter Größe geht man teils von Krebsanteilen von bis zu 50 Prozent aus.

Gelingt es, diese häufigen Vorstufen im Rahmen einer Darmspiegelung komplett zu entfernen, wird das Risiko einer Darmkrebserkrankung massiv minimiert. Dies zeigen auch die Daten der letzten Jahre. Darmkrebs könnte somit fast komplett vermieden werden. Und auch die Akzeptanz der Vorsorgekoloskopien in der Bevölkerung wird immer größer.

Ein Wort zur Hygiene

Hygiene hat im Fachbereich Gastroenterologie oberste Priorität und sollte in jeder Praxis äußerst ernst genommen werden. Effektive und kontrollierte Hygienemaßnahmen nach neuesten Richtlinien helfen, die Übertragung von infektiösen Erkrankungen in der Gastroenterologie zu verhindern, insbesondere beim Einsatz endoskopischer Untersuchungstechniken.

Angefangen bei qualifiziertem, wiederholt geschultem Personal wird dem Hygieneanspruch auch durch den Einsatz von hochmodernen Endoskopen der neuesten Generation, vollautomatisierten Endoskopiewaschmaschinen, einer effizienten Desinfektion und Sterilisation und – wo möglich – dem Einsatz von Einmalmaterial entsprochen. Durch regelmäßige externe Kontrollen sowie einer Validierung und Zertifizierung solcher Maßnahmen ist ein höchstes Maß an hygienischem Schutz mit entsprechender Sicherheit bei sämtlichen Praxisabläufen gewährleistet.