Fachbeitrag Radiologie und Nuklearmedizin

Einblick in das Körperinnere durch moderne Bildgebung

Von Prof. Dr. med. Hans-Gerhard Zilch, Radiologe und Honorarprofessor für das Fachgebiet Radiologie am Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM)

Es war schon immer ein Traum der Medizin, den menschlichen Körper einzusehen, ohne ihn operativ zu öffnen. Mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen vor über 100 Jahren erfolgte der erste Schritt dazu. Fast genauso wichtig war die Einführung digitaler Techniken. Mit ihrer Hilfe entwickeln sich die bild - ge benden Verfahren und ihre Einsatzmöglichkeiten rasant weiter. Immer höhere Bildauflösungen, neue Kombinationen von statischen mit funktionellen Verfahren sowie virtuelle dreidimensionale Darstellungen von Organen offenbaren den neuesten Stand der Technik.

Heute stellt die Radiologie eines der innovativsten Fachgebiete innerhalb der modernen Medizin dar und trägt in entscheidendem Maße zum medizinischen Fortschritt bei. Sie gliedert sich in die diagnostische Radiologie und die Strahlentherapie.

Digitale Röntgendiagnostik

Die konventionelle Röntgendiagnostik beruhte einst auf der Anwendung des Röntgenfilms. Mit der heutigen digitalen Röntgendiagnostik erfolgt die Erzeugung von Röntgenbildern unter Einsatz modernster Computertechnik. Bilder entstehen nicht mehr durch direkte Aufzeichnung der Organschwächungsunterschiede auf dem Film. Das digitale Strahlenbild kommt vielmehr durch Erfassung und Speicherung der örtlichen Schwächungsunterschiede und deren rechnerische Bearbeitung zustande. Vorteile: digitale Bildspeicherung, bessere Bildqualität, keine Fehlbelichtung, keine Umweltbelastung durch Chemie.

Durch den technischen Fortschritt kamen neue bildgebende Verfahren hinzu, wie die moderne Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT/Kernspintomografie).

Computertomografie (CT)

Bei dieser Technik werden bestimmte Körperregionen schichtweise erfasst. Mit der modernen Mehrzeilentechnik können gleichzeitig mehrere Schichten pro Rotation der Röntgenröhre in wenigen Millisekunden gewonnen werden. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Diagnose erfolgt schneller, präziser und patientenschonender.

Kernspintomografie oder MRT

Die Magnetresonanztomografie (MRT) erbringt sehr genaue Darstellungen von Körpergewebsstrukturen, vor allem von Weichteilgewebe, Meniskus und Gelenkknorpel. Dadurch können selbst kleinste Veränderungen erkannt werden wie zum Beispiel kleine Entzündungsherde. Das sorgt für frühere Diagnosen, größere Heilungschancen und bessere Therapieaussichten.

Nuklearmedizin

Mithilfe sogenannter Radiopharmaka, die venös injiziert werden, können verschiedene Stoffwechselvorgänge bildlich dargestellt und somit Funktionsabläufe der Organe sichtbar gemacht werden. Am häufigsten finden nuklearmedizinische Methoden in der Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenerkrankungen Anwendung. Die nuklearmedizinische Therapie ermöglicht die hoch spezialisierte Behandlung der Schilddrüse durch radioaktives Jod.

Die rasante Entwicklung auf dem Gebiet der modernen bildgebenden Verfahren hat zu einem entscheidenden Wandel der Diagnostik vieler Erkrankungen geführt und zum Teil völlig neue diagnostische Möglichkeiten eröffnet. Ausreichende Kenntnisse dieser Möglichkeiten sind Voraussetzung für einen sinnvollen Einsatz moderner, bildgebender Verfahren.