Fachbeitrag Frühgeburt

Frühgeburt ist kein Fehlstart

Von Prof. Dr. Michael Schroth, Chefarzt der Neonatologie und Kinder-Intensivmedizin im Perinatalzentrum Cnopfsche Kinderklinik in Nürnberg

Etwa acht bis zehn Prozent aller Kinder in Deutschland kommen zu früh auf die Welt, das heißt vor der 37. Schwangerschaftswoche, und es werden immer mehr. Zu den häufigsten Ursachen einer Frühgeburt zählen Infektionen. Auch die Schwangerschaft nach dem 35. Lebensjahr sowie starkes Über- beziehungsweise Untergewicht er - höhen das Risiko. Der Fortschritt in der Medizin hat die Chancen auf ein gesundes Leben ohne Spätfolgen für Frühgeborene deutlich verbessert. Aber je früher ein Kind auf die Welt kommt und je geringer das Geburtsgewicht ist, desto schwerer ist der Start ins Leben und umso größer sind die möglichen Risiken für Behinderungen und Erkrankungen. Frühchen müssen daher, um zu überleben, intensivmedizinisch betreut werden.

Anzeichen für eine Frühgeburt

Die Anzeichen einer Frühgeburt sind letztendlich die gleichen, wie bei einer normalen Geburt. Die werdende Mutter bemerkt Wehen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder Ähnliches. Viele Mütter haben einen vorzeitigen Blasensprung mit Fruchtwasserabgang. Trotz dieser Anzeichen muss es aber nicht zur Geburt kommen, denn beim Flüssigkeitsabgang von Schwangeren gibt es verschiedene Formen. Auch wenn die Mutter sehr früh Fruchtwasser verliert, gelingt es vielmals mit geburtshelferischen Tricks, zum Beispiel indem man die Wehen stoppt, die Frühgeburt wenigstens um ein paar Tage zu verzögern. Das Hinauszögern der Geburt ist sehr wichtig, denn ein Kind aus der 23. Schwangerschaftswoche wiegt gerade 400 Gramm. Jede Woche Geburtsverzögerung ist ein Gewinn an Reife für das Kind. Ab der 30. Schwangerschaftswoche sind frühgeborene Kinder erfahrungsgemäß auf der sicheren Seite.

Viele Herausforderungen nach der Geburt

Erst einmal unterscheidet sich die Versorgung eines Frühgeborenen nicht wesentlich von der normal Geborener. Überprüft werden die Funktionen der Atmung und des Kreislaufs. Bei extremen Frühchen ergeben sich häufig Probleme mit der Lunge und der Atmung. Diese Kinder bekommen eine Narkose, eine künstliche Beatmung und einen zentralen Venenkatheter. Bei der konventionellen Beatmung sind die Kinder mit einer Maschine verbunden, die eine normale Atmung imitiert. Oberstes Ziel ist es allerdings, die Kinder nicht zu beatmen, da jede Form der Beatmung die Lunge schädigt. Frühgeborene benötigen nicht nur modernste medizinische Versorgung – sie brauchen ganz besonders die Zuwendung und Liebe ihrer Eltern. Alle modernen neonatologischen Zentren binden deshalb die Eltern so früh wie möglich mit ein.

Nachsorge von Frühgeborenen

Entscheidend für die weitere Entwicklung ist die Nachsorge von Frühgeborenen. Sie ist ein Aushängeschild jeder neonatologischen Einrichtung. Jedes Kind, das vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren wird, wird in ein genau definiertes Nachsorgeprogramm bis zu einem Alter von vier Jahren eingeschlossen. Das Ziel ist, Defizite in der Entwicklung rechtzeitig aufzuspüren.

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Cnopfsche Kinderklinik
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