Fachbeitrag Kieferorthopädie

Mehr als schön: ein guter Biss

Von Prof. Dr. med. dent. Mirjam Berneburg, Kieferorthopädin

Die korrekte Kieferlage und eine gute Zahnstellung sind nicht nur aus ästhetischen Gründen wichtig, sondern vor allem aus medizinischen Gründen: Zähne optimal reinigen zu können, Kiefergelenksproblemen vorzubeugen und eine physiologische Belastung der Zähne herzustellen, sodass sie möglichst ein Leben lang halten, sind in der Regel die wichtigsten Ziele einer kieferorthopädischen Therapie. Mit einer kieferorthopädischen Behandlung können das Gesichtsschädelwachstum und die Lage der Kiefer zueinander beeinflusst und Zahnfehlstellungen korrigiert werden.

Laut der kieferorthopädischen Fachliteratur benötigen etwa 35 bis 48 Prozent aller Kinder eine kieferorthopädische Therapie. Gleichzeitig wird durch die Verbesserung der Funktion in der Regel auch die Ästhetik positiv beeinflusst. Ein harmonischer Profilverlauf und schöne gerade Zähne sind attraktiv und signalisieren Gesundheit und Vitalität.

Effiziente und schonende Therapie

Um einen günstigen Einfluss auf Gesichtsschädelwachstum, Kiefergelenk und Kieferlage nehmen zu können, ist es notwendig, im Wachstumsalter zu behandeln. Das Alter von neun Jahren ist der beste Zeitpunkt, sich das erste Mal in einer kieferorthopädischen Fachpraxis vorzustellen. In diesem Alter kann in der Regel mit herausnehmbaren Apparaturen (Platten oder funktionskieferorthopädischen Geräten) der Profilverlauf noch günstig beeinflusst und der Zahndurchbruch der bleibenden Zähne gesteuert werden.

Aber auch das Alter von zwölf Jahren ist ein guter Zeitpunkt für eine kieferorthopädische Therapie, da in diesem Alter häufig alle bleibenden Zähne vorhanden sind und noch Restwachstum da ist. In der Regel kommen nun auch festsitzende Multibracketapparaturen vermehrt zum Einsatz.

Bei besonders ausgeprägten Fehlstellungen empfiehlt es sich, eine kieferorthopädische Behandlung bereits ab dem vierten Lebensjahr zu beginnen, um Wachstumsbehinderungen zu verhindern und die Erfolgsprognose zu verbessern.

Doch selbst nach Wachstumsabschluss im Erwachsenenalter kann man noch Zahnfehlstellungen korrigieren. Bei Erwachsenen ist es häufig nötig, Zähne vor prothetischer Versorgung besser zu verteilen oder aufzurichten. Auch können durch kieferorthopädische Maßnahmen die parodontale Prognose und das Erscheinungsbild der Zähne verbessert werden. Bei stark ausgeprägten Abweichungen der Kiefer zueinander muss nach Wachstumsabschluss kombiniert kiefer orthopädisch-chirurgisch gearbeitet werden. Um eine bestmögliche Versorgung zu gewährleisten, ist es wichtig, eng mit anderen Fachdisziplinen zusammenzuarbeiten.

Unser Behandlungsspektrum umfasst die modernsten Methoden für eine umfassende kieferorthopädische Therapie. Für ästhetisch anspruchsvolle Patienten bieten wir unsichtbare Behandlungsmethoden wie zum Beispiel durchsichtige Schienen, Zahnspangen von innen oder Miniimplantate an. So können sichtbare Außenspangen vermieden werden.

Minimierte Strahlenbelastung infolge von Forschungsergebnissen

Ziel ist es, gemeinsam mit unseren Patienten für jeden einzelnen das individuelle Optimum zu finden. Die von Prof. Dr. Mirjam Berneburg veröffentlicht Forschungsergebnisse aus der Arbeit mit Kindern tragen dazu bei, für junge Patienten die Strahlenbelastung zu minimieren. In einem Messverfahren, das ohne Röntgenaufnahmen und die damit einhergehende Strahlenbelastung auskommt, untersuchte Prof. Berneburg mehr als 2500 baden-württembergische Kindergartenkinder. Die dreidimensionalen Aufnahmen liefern Referenzwerte für diese Altersgruppe, die bisher kaum verfügbar waren.

Die Einordnung von retinierten und verlagerten Zähnen mittels Easy-Way-Coil®-System

Das Easy-Way-Coil®-System (EWC) wurde von Dr. Michael Schubert entwickelt. Zähne, die sich nicht spontan in den Zahnbogen einstellen oder verlagert sind, müssen in der Regel chirurgisch freigelegt werden. Für eine kieferorthopädische Einordnung ist dann eine Zughilfe am betroffenen Zahn anzubringen.

In der klinischen Anwendung stellt dieses Zugsystem für den Patienten eine angenehme und pflegeleichte Lösung dar, mit der auch Zusatzapparaturen umgangen werden können. Dabei handelt es sich um eine sichere Methode ohne nennenswerte Nebenwirkungen, bei einem vertretbaren Behandlungs zeitrahmen.

Verbesserung der Ästhetik

In zahlreichen Veröffentlichungen stellt Prof. Dr. Mirjam Berneburg ihre Ergebnisse bezüglich des idealen Profilverlaufs vor. Der Hintergrund: Durch den Einsatz modernster Methoden können in der Kieferorthopädie Funktion und Ästhetik gleichermaßen verbessert werden. Wesentliche Faktoren für die Attraktivität des Gesichts, auf die der Kieferorthopäde Einfluss nehmen kann, sind der Profilverlauf und die Lippenform. „Die Profile von heutzutage als besonders attraktiv beurteilten Frauen und Männern gleichen sich tendenziell an“, zeigen die neuesten Forschungsergebnisse, insbesondere beim Kinn. Volle Lippen sind bei Frauen mittlerweile noch gefragter als früher. Und die Stellung der Kiefer und Zähne zueinander prägt das Erscheinungsbild eines menschlichen Gesichts in einem hohen Maß. Dieses Wissen kommt den Patienten ganz automatisch zugute: Mithilfe der diagnostischen Unterlagen wird das individuelle Optimum für jeden einzelnen Patienten hergestellt, wobei der Patient im Mittelpunkt steht. Damit das Erscheinungsbild des Patienten während der Behandlung nicht beeinflusst wird, stehen auch unsichtbare Therapieformen zur Auswahl.