Brandschutz

Der barrierefreie Brandschutz rückt immer mehr in den Fokus

Von Dipl.-Ing. (FH) Bernd Steinhofer, Geschäftsführer der Firma Steinhofer Ingenieure GmbH

Dipl.-Ing. (FH) Bernd Steinhofer, Geschäftsführer

Barrierefreiheit darf in unserer Zeit nicht nur ein Schlagwort sein, sondern muss gelebt werden. Besonders der Brandschutz scheint dabei oft ein unüberwindlicher Zielkonflikt zu sein. Nach Artikel 13 der Deklaration der Menschenrechte steht jedem Menschen das Recht auf freie Wahl seines Wohnsitzes zu. Dieses Recht wird oft durch Baubarrieren eingeschränkt. Ein Mensch mit Handicap kann nicht wohnen, wo er will, sondern nur dort, wo er kann.

Um die Teilhabe aller Menschen unserer Gesellschaft vollumfänglich ermöglichen zu können, hat sich die Politik auf die Fahnen geschrieben, auch Menschen mit Behinderungen nicht länger zu benachteiligen und dies im Rahmen der Barrierefreiheit fixiert. So besagt das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen in Paragraf 4, dass „ bauliche und sonstige Anlagen barrierefrei sind, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.“ Durch Regelungen in den Landesbauordnungen der Bundesländer sowie weiterführenden Gesetzen, Normen und Vorschriften wird dem zunehmend Rechnung getragen.

Schutzziele manifestieren Planung

Nach den Grundprinzipien unserer Gesellschaft hat jeder Mensch ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Das spiegelt sich auch in den Baugesetzen unseres Landes wider. Hier werden Rahmenbedingungen definiert, nach denen gewährleistet wird, in einem Brandfall möglichst schadensfrei zu bleiben. Diese definierten Schutzziele manifestieren die Grundlagen jeglicher Brandschutzplanung. Aber lassen sich diese Rahmenbedingungen wirklich erfüllen? Unsere derzeitige Brandschutzplanung geht bei Standardbauten immer noch von Personen aus, die keine Mobilitätseinschränkung besitzen. Lediglich bei Bauten, bei denen bestimmungsgemäß entsprechend der Nutzung mit einem Personenkreis zu rechnen ist, der auf Hilfe bei der Selbstrettung angewiesen ist, werden entsprechende Anforderungen bereits vorgegeben, etwa bei einem Krankenhaus oder Seniorenwohnheim.

Ältere Personen im Fokus

Dabei sollte man auch im täglichen Leben beispielsweise öffentliche Gebäude nicht nur nach den Grundsätzen der barrierefreien Nutzung im Alltag betrachten, sondern auch die Rettung von Menschen mit Behinderungen, pflegebedürftigen und alten Menschen im Brandfall ermöglichen. Generell sind Wohngebäude mit einer strukturell bedingten älteren Klientel, die durch eine auf Dauer angelegte Häuslichkeit und Eigengestaltung der Haushaltsführung gekennzeichnet ist, in Bayern kein Sonderbau. Dieses Problem darf nicht aus den Augen gelassen werden.

Da es in Deutschland (noch) kein Regelwerk zum barrierefreien Brandschutz gibt, können folgende Ansatzpunkte versuchen, Barrieren im Brandfall abzubauen oder zumindest zu reduzieren: In vielen Gebäuden, die der Wohnnutzung – auch für ältere Menschen – dienen oder auch öffentlich zugänglich sind, ist ein Aufzug mittlerweile Standard. Jeder kennt jedoch die Hinweise „Aufzug im Brandfall nicht benutzen“. Derartige technische Hilfsmittel nutzen im Alltag, ermöglichen jedoch keine gesicherte Rettungswegführung, da in diesen Objekten die Rollstuhlfahrer auf Mithilfe beim Bewältigen von Treppenanlagen angewiesen sind. Abhilfe können hier etwa Aufzüge mit verlängerter Betriebszeit schaffen. Hier kann unter bestimmten Voraussetzungen (Aufzug im Treppenraum, Brandmelde- und Alarmierungsanlage, Sicherheitsstromversorgung etc.) der Aufzug, der nicht die Anforderungen an Feuerwehraufzüge erfüllt, für eine Evakuierung weiter benutzt werden.

Ein weiteres oder alternatives Hilfsmittel kann die Bereitstellung eines Rettungsstuhls sein, bei dem durch Mithilfe einer Person ein mobilitätseingeschränkter Mensch über Treppen hinweg ins Freie gebracht werden kann. Jeder Ansatzpunkt, der Leben schützt und rettet, sollte in der Praxis umgesetzt werden.

Steinhofer Ingenieure GmbH
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