Gefäßchirurgie

Der Mensch ist so alt wie seine Gefäße

Von Dr. med. Thomas Noppeney und Dr. med. Jeanette Noppeney vom Medizinischen Versorgungszentrum für Gefäßmedizin Nürnberg

Wie viele andere medizinische Gebiete ist auch die Gefäßmedizin für gewöhnlich nur denjenigen Menschen ein Begriff, die bereits damit in Berührung kamen. Die wenigsten wissen wohl, womit sie sich befasst und in welche Bereiche sie sich unterteilt. Dabei behandelt die Gefäßmedizin gar nicht so ungewöhnliche Erkrankungen. Sie umfasst vier Bereiche, die sich teilweise auch in den Fachbezeichnungen von Ärzten wiederfinden:

  • Angiologie (Spezialgebiet innerhalb der Inneren Medizin, Gefäßleiden allgemein)
  • Gefäßchirurgie (Spezialgebiet in der Chirurgie, operative Therapien von Gefäßleiden)
  • Phlebologie (Spezialgebiet, fachübergreifend, speziell die Venen betreffend)
  • Lymphologie (Spezialgebiet fachübergreifend, speziell die Lymphe betreffend)

Angiologie

Dieses Teilgebiet der Inneren Medizin beschäftigt sich mit der Entstehung, Diagnose, konservativen und interventionellen Therapien, Rehabilitation sowie Prävention von Gefäßerkrankungen, insbesondere von Erkrankungen der Arterien, Venen und Lymphgefäße. Im Bereich der Angiologie gibt es Überschneidungen mit anderen Fachgebieten wie der Dermatologie und Phlebologie – gerade, wenn es um Erkrankungen des venösen Gefäßsystems wie etwa Krampfadern geht. Deshalb bestehen bei vielen angiologischen Krankheitsbildern enge Kooperationen mit anderen medizinischen Fachgebieten.

Gefäßchirurgie

Wie der Name schon verrät, steht hier die operative Behandlung der Gefäße, genauer gesagt der Blutgefäße, im Vordergrund. Dazu zählen auch Operationen von versorgenden Gefäßen, die das Gehirn betreffen. Die Gefäßchirurgie findet beispielsweise Anwendung zur Schlaganfallprävention bei Arterienverkalkung.

Phlebologie

Phlebologie bezeichnet die Lehre von den Venen und deren Erkrankungen. Patienten, die an einer Venenerkrankung leiden, merken dies meist zu Be ginn der Erkrankung an einer Schwellung, die entweder in Armen oder Beinen auftreten kann. Mögliche Folgen: offene Beine und eine Schädigung der Haut. Eine der häufigsten Erkrankungen, mit der sich die Phlebologie auseinandersetzt, sind Varizen (Krampfadern) sowie Thrombosen (Blutgerinnsel). Speziell Krampfadern sehen nicht nur unschön aus, sondern können ohne rechtzei tige Behandlung auch sehr gefährlich werden. Stauungen in den Gefäßen können zu Entzündungen führen, im schlimmsten Fall löst sich ein Blutpropf eines Gerinnsels, der über die Blutbahn in die Lunge wandert: In diesem Fall droht eine akute Lebensgefahr durch eine Embolie! Eine Vielzahl von konservativen und operativen Behandlungsmethoden steht allerdings diesen Erkrankungen wirksam gegenüber. Es gilt jedoch: Je früher eine Störung behandelt wird, desto besser.

Lymphologie

Die Lymphe ist eine helle Flüssigkeit, die Fette, Eiweiße und Plasma enthält. Diese Flüssigkeit entsteht, indem Blutplasma aus den Kapillaren in das umliegende Gewebe tritt. Wird der Abtransport gestört, treten teils große Schwellungen auf. Diese Störungen können primär (angeboren) und sekundär (erworben) sein. Entsteht beispielsweise im Lymphgefäßsystem ein Lymphödem durch eine Abflussbehinderung, ist die Lymphologie gefragt.

Fazit

Gefäßmedizin beginnt schon bei der Behandlung von Besenreisern, geht weiter über Krampfadern, Beinödeme, Thrombose, Embolie und offenes Bein und reicht bis hin zur Arteriosklerose der Schlagadern mit Raucherbein, Halsschlagaderverengung und Bauchschlagaderaneurysma. Blutgerinnungsstörungen, Dialyse- Shunts, diabetischer Fuß oder Nebenveränderungen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen fallen ebenfalls in den Zuständigkeitsbereich der Gefäßmedizin.