Prothese

Eine wirklich gute Prothese muss den individuellen Ansprüchen des Patienten gerecht werden

Von Helmut Gaßner, Inhaber Sanitätshaus Reichel & Platzer

Helmut Gaßner

Der Mensch ist das Maß aller Dinge. Diese eigentlich philosophische Lebensweisheit ist beim Prothesenbau wortwörtlich zu nehmen. Erst eine Prothese, die den individuellen Ansprüchen des einzelnen Menschen wirklich gerecht wird, ist eine gute Prothese. Sie gibt Menschen mit Handicap Mobilität und Flexibilität zurück und hilft ihnen dabei, selbstständig im Alltag zurechtzukommen und so in der Gesellschaft integriert zu bleiben.

Mitverantwortlich für die Lebensqualität

Die Anforderungen an eine Prothese können dabei sehr unterschiedlich sein: Ein älterer Mensch zum Beispiel braucht vor allem ein hohes Maß an Sicherheit, um die Sturzgefahr möglichst gering zu halten. Auch ein geringes Gewicht der Prothese ist für ihn von Vorteil. Ein junger Mensch hingegen benötigt mehr Dynamik und Funktion, was die einzelnen Bauteile allerdings schwerer macht.

Fast immer muss ein Kompromiss zwischen Sicherheit und Dynamik gefunden werden. Der Orthopädietechniker muss die Lebensumstände und die daraus resultierenden Bedürfnisse jedes Einzelnen genau kennen, wenn er den individuellen Ansprüchen des Patienten gerecht werden möchte. Er trägt damit letztlich viel Verantwortung für die Lebensqualität eines Menschen, der seinen Alltag mit einem Handicap bewältigen muss.

Eine hohe Passgenauigkeit ist entscheidend

Moderne Rohrskelettprothesen bestehen aus drei Bauteilen: einem Schaft, einem Rohr und einem Fuß. Bei Oberschenkelprothesen kommt als Bauteil noch ein Kniegelenk dazu. Die hohe Passgenauigkeit des Schaftes ist entscheidend für den Tragekomfort und die Voraussetzung für eine gut funktionierende Prothese. Dafür wird zunächst ein exakter Gipsabdruck des Amputationsstumpfes hergestellt. Auch das Material spielt eine Rolle, wenn es um optimalen Halt und einen perfekten Sitz geht. Zum Beispiel müssen verschiedene Kräfte bedacht werden, die beim Gehen und Stehen auf die Prothese einwirken. Ein gut sitzender Prothesenschaft muss Rotation, Druck und Scherkräfte kompensieren können. Mit dem richtigen Material kann die Stoßkraft ebenfalls abgemildert werden. Zusätzliche Sicherheit bieten verschiedene Verschluss- und Arretierungsmöglichkeiten am Prothesenschaft.

Ein gutes Kniegelenk für eine natürliche Laufbewegung

Auch das Kniegelenk einer Prothese muss wichtige Anforderungen erfüllen: In der Standphase muss es Sicherheit gegen das Einknicken bieten, in der Schwungphase hingegen muss es genügend Dynamik zulassen, um eine natürliche Laufbewegung zu ermöglichen. Zu den neuesten technischen Entwicklungen gehören computergesteuerte Kniegelenke.

Zum technischen Standard bei den Fußbauteilen zählen heute Carbonfederfüße. Sie sind den konventionellen Konstruktionen aus Schaumstoff oder Holz in ihrer technischen Funktion weit überlegen, allerdings auch deutlich teurer. Ihr größter Vorteil besteht darin, dass bei ihrer Nutzung viel weniger Energie aufgebracht werden muss als bei herkömmlichen Fußbauteilen. Junge wie ältere Menschen profitieren davon gleichermaßen.

Die anspruchsvolle Aufgabe eines guten Orthopädietechnikers besteht schlussendlich darin, für jeden Patienten das jeweils passende Gelenk und die richtige Kombination aus Fuß- und anderen Bauteilen zusammenzustellen.

Sanitätshaus Reichel & Platzer
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