Implantologie

Implantate sind eine moderne Lösung bei Zahnverlust

Von Dr. Ulrich Zimmermann, zertifizierter Implantologe und zweiter Vorsitzender des Bayerischen Landesverbandes der Deutschen Gesellschaft für Implantologie

Dr. Ulrich Zimmermann, Implantologe

Die Zahnheilkunde arbeitet bereits seit über 40 Jahren mit Implantaten. Die Suche nach dem idealen Werkstofferwies sich als Herausforderung. Immer wieder gab es verschiedene Materialien, unter anderem auch Keramik. Die implantologische Forschung schritt jedoch schnell voran. So konnte sich in den letzten Jahrzehnten Reintitan als der am besten geeignete Stoff für zahnärztliche Implantate durchsetzen. Auch in der Bevölkerung haben Implantate mittlerweile großen Anklang gefunden – nicht zuletzt auch aufgrund ausgereifter Techniken. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2009 schon rund eine Million Implantate eingesetzt.

Der Aufbau eines Implantats

Doch was ist ein Zahnimplantat genau? Es ersetzt die natürliche Zahnwurzel und ist meist schraubenförmig oder zylindrisch aufgebaut. Es stehen je nach Knochenangebot unterschiedliche Längen und Durchmesser zur Verfügung, in der Regel sind Implantate 8 bis 16 mm lang und haben 3 bis 7 mm im Durchmesser. Mithilfe von Implantaten kann man sowohl einzelne Zähne ersetzen als auch größere Lücken schließen. Für zahnlose Patienten gibt es ebenfalls spezielle Möglichkeiten, Implantate einzubringen.

Implantate bestehen aus drei Komponenten

Fast jede Implantatbehandlung besteht aus drei unterschiedlichen Komponenten: zum einen aus dem Implantat selbst, das der Spezialist in den Kieferknochen einbringt, zum anderen aus dem Implantataufbau, der nach der Abheilung des Implantats aufgesetzt wird. Zum Schluss folgt noch die Suprakonstruktion, beispielsweise eine Krone oder Brücke. Diese wird auf den Aufbau zementiert, so wie dies auch bei natürlichen Zähnen der Fall ist. Soll der Zahnersatz abnehmbar sein, werden zusätzlich spezielle Halte- und Verankerungselemente angebracht, die die Prothese mit den Implantaten verbinden.

Der richtige Zeitpunkt

Für die meisten Patienten ist eine Implantatbehandlung nicht sehr belastend, im Gegenteil, sie wird sogar als weniger schmerzvoll empfunden im Vergleich zu einer einfachen Zahnentfernung. In der Regel reicht eine lokale Betäubung, der Eingriff dauert selten länger als eine Stunde. Wenn die Voraussetzungen stimmen, kann ein Implantat sogar direkt nach der Zahnentfernung gesetzt werden. Sollte allerdings eine Entzündung vorliegen, muss man mit sechs bis zwölf Wochen Wartezeit rechnen. Erst wenn die Entzündung vollständig abgeheilt ist, kann die Behandlung fortgesetzt werden. Dies nennt sich verzögerte Sofortimplantation. Von einer Spätimplantation spricht man dagegen, wenn der Zahnverlust bereits einige Zeit zurückliegt. In diesem Fall kann es sein, dass der Knochenzustand nicht mehr optimal ist und vor der Implantation erst Knochen aufgebaut werden muss. Im Schnitt dauert es zwei bis sechs Monate, bis der Patient das Implantat voll belasten kann. Der ideale Zeitpunkt für das Setzen eines Implantats ist jedoch möglichst bald nach dem Zahnverlust.

Eine rundum gute Lösung

Implantate sind oftmals die einzige Möglichkeit für dauerhaften Zahnersatz, der nicht zu Lasten der eigenen Zahnsubstanz geht. Bei anderen Behandlungsmethoden müssen gesunde Zähne häufig beschliffen werden, um darauf eine Brücke zu befestigen. Bei Implantaten entfällt dies. Zudem verschaffen sie ihren Trägern ein hohes Maß an Lebensqualität: Nichts kann verrutschen oder herausfallen. Aus medizinischer Sicht können Implantate ebenfalls punkten: Sie ver hindern den gefürchteten Knochenschwund im zahnlosen Kiefer.

Für fast jeden geeignet

Wer kann überhaupt Implantate tragen? Um eine Behandlung erfolgreich durchzuführen, muss das Wachstum abgeschlossen sein. Das Mindestalter für Implantatpatienten beträgt also zwischen 18 und 21 Jah ren. Nach oben gibt es keine Altersgrenze. Entscheidend bei älteren Patienten ist der allgemeine Gesundheitszustand. Denn einige Erkrankungen haben negative Einflüsse auf den Heilungsverlauf, beispielsweise ein schlecht eingestellter Diabetes oder Erkrankungen mit Immunschwäche – aber auch Nikotinkonsum. Bei derartigen Voraussetzungen ist im Vorfeld eventuell eine Beratung durch den Hausarzt nötig. Ganz anders als man meinen könnte, hat Osteoporose dagegen keine Beeinträchtigung auf den Heilungsverlauf. Wichtig für eine erfolgreiche Implantation ist eine gute Vor bereitung. Dazu gehört auch die Abheilung aller bestehenden Entzündungen an Zähnen, Zahnfleisch und der Mundschleimhaut.