Augenheilkunde

Tief in die Augen schauen – wenn die Schärfe unscharf wird

Von Dr. med. Annette Lodes und Dr. med. Heiko Lodes

Dass sich das Sehen im Laufe des Lebens verändert, müssen sich selbst diejenigen eingestehen, die bis etwa zu ihrem 40. Lebensjahr um eine Brille herumgekommen sind. Jenseits des 40. Lebensjahres kann das Kleingedruckte plötzlich zum Problem werden, weil das Autofokussystem des Auges ermüdet. Verantwortlich dafür ist der sogenannte Ziliarmuskel, der die Augenlinse ringförmig umschließt. Fokussieren wir etwas in unserer direkten Nähe, so zieht sich der Muskel zusammen, wie der Zoom einer Kamera, betrachten wir etwas in der Ferne, ist der Muskel entspannt. Bei kleinen Kindern ist die Linse extrem elastisch, sodass es ihnen möglich ist, Gegenstände scharf zu sehen, die sich nur etwa fünf Zentimeter von ihrem Auge entfernt befinden. Bei 40-jährigen Erwachsenen gelingt das nur noch bei einem Abstand von etwa 20 Zentimetern. Bei etwa 50-Jährigen erweitert sich dieser Abstand dann sogar auf über 30 Zentimeter.

Die Ursachen von Sehstörungen sind nicht immer harmlos

Sehstörungen gibt es viele und ihre Ursachen sind vielfältig. Unterschiede gibt es auch in der Art, wie die Sehstörungen auftreten. Einige verschwinden so schnell wieder, wie sie aufgetreten sind, andere halten sich hartnäckig oder schreiten im Laufe der Zeit stark fort. Ursachen für kurzfristige Sehstörungen können Kreislaufprobleme, Blutzuckerschwankungen, Migräne oder der Verschluss eines fürs Auge wichtigen Gefäßes sein. Hinter lang anhaltenden Sehstörungen stehen meist chronische oder schwerwiegende Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus, grüner und grauer Star oder die altersabhängige Maculadegeneration, aber auch Netzhautablösungen oder Sehnervenentzündungen zählen dazu.

Sehstörungen sollten immer abgeklärt werden

Wichtig bei jeder Art von Sehstörung ist, die Ursache dafür von einem Facharzt für Augenheilkunde abklären zu lassen, da einige Ursachen schwerwiegend sein können und schnellstens behandelt werden sollten. Augenärzte beschäftigen sich aber nicht nur mit Augenerkrankungen, die das Sehen beeinträchtigen, sondern auch mit Veränderungen in der Umgebung des Auges. Dazu gehören insbesondere Veränderungen an den Augenlidern und an der Augenmuskulatur.

Auskunft gibt der Hintergrund

Da es in der Natur des Menschen liegt, sich gegenseitig tief in die Augen zu schauen, fallen äußerliche Augenveränderungen auch sehr schnell auf. Anders hingegen ist es mit Veränderungen, die sich im äußerlich nicht sichtbaren Bereich des Auges, am sogenannten Augenhintergrund, befinden. Die Untersuchung des Augenhintergrunds bringt nicht nur Veränderungen zutage, die das Auge selbst betreffen, auch viele wichtige Details über die allgemeine Gesundheit können durch die Untersuchung des Augenhintergrundes zum Vorschein gebracht werden. Die kleinen Gefäße im Augenhintergrund können beispielsweise einen Hinweis darauf geben, dass das gesamte Kreislaufsystem des Patienten krankhaft verändert ist oder ein Diabetes mellitus vorliegen könnte.

Eine Brille ist nicht immer die Lösung

Sehstörungen, die mit einer einfachen Sehschwäche wie Kurz- oder Weitsichtigkeit zusammenhängen, können relativ einfach durch die Verordnung einer Brille oder von Kontaktlinsen behoben werden. Manche Sehstörungen lassen sich jedoch nur durch einen operativen Eingriff beheben, der von speziell ausgebildeten, chirurgisch tätigen Augenärzten durchgeführt werden muss. Operationen des grauen und grünen Stars, Netzhautoperationen, Hornhauttransplantationen oder refraktiv-chirurgische Laseroperationen zählen zu den häufigeren Eingriffen eines Ophthalmochirurgen.