Pensionsrückstellung

Pensionsrückstellungen in der Niedrigzinsphase

Von Diplom-Kaufmann Josef Ertl, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer

Von Diplom-Kaufmann Josef Ertl, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer

Pensionsrück stellungen steigen in der politisch motivierten Niedrigzinsphase stetig

Zinssatzänderungen führen bei zinsabhängigen Bilanzposten zu starken Wertänderungen. Betroffen sind hier in der Praxis insbesondere die Pensionsrückstellungen für Direktzusagen auf der Passivseite: Auch wenn sich an der Art der Verpflichtung selbst nichts ändert, so führen steigende Zinsen zu niedrigeren und sinkende Zinsen zu höheren Rückstellungen. Hohe Pensionsrückstellungen sorgen für eine Verschlechterung der Abbildung der wirtschaftlichen Lage. Nach aktuellen Prognosen führen steigende Pensionsrückstellungen zu deutlichen Abstrichen bei den Investitionsplänen der Unternehmen, die Kapitalbeschaffung wird tendenziell schwieriger.

Handelsrechtliche Vorschriften zur Ermittlung des Marktzinssatzes

Mit Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) im Jahr 2010 wurde geregelt, dass die Rückstellungen mit einem laufzeitabhängigen, durchschnittlichen Marktzinssatz abgezinst werden, der monatlich von der Deutschen Bundesbank ermittelt wird. Aus Vereinfachungsgründen dürfen Rückstellungen für Altersversorgungsverpflichtungen pauschal mit einem durchschnittlichen Marktzinssatz bei einer angenommenen Restlaufzeit von 15 Jahren abgezinst werden. Lag der handelsrechtliche Diskontierungssatz für Pensionsrückstellungen bei der Einführung des BilMoG noch bei 5,25 Prozent per anno, so hat er sich seitdem stetig nach unten bewegt. Aufgrund der aktuellen Niedrigzinsphase wird das auch mittelfristig so bleiben, ein Diskontierungssatz zum 31. Dezember 2018 unter 3,0 Prozent wird von Fachleuten für realistisch gehalten. Eingeleitete Gesetzesinitiativen werden den Trend nicht stoppen, sondern allenfalls verzögern.

Konkrete Auswirkungen

Ein Absinken des Rechnungszinssatzes um 1,0 Prozent kann nach vorsichtigen Prognosen zu einer Erhöhung der Pensionsrückstellungen um 10 bis 20 Prozent führen. Entsprechend stark werden dadurch die Ergebnisse der Unternehmen belastet, einhergehend mit einer Verringerung der Eigenkapitalquote.

Welche Gestaltungsoptionen hat ein Unternehmen mit einer Pensionszusage?

Grundsätzlich kann sich ein Unternehmen den Zinsentwicklungen auf dem Kapitalmarkt nicht gänzlich entziehen. Zunächst ist wichtig, dass sich ein Unternehmen mit der aus dem Niedrigzinsumfeld resultierenden Entwicklung der Pensionsrückstellungen beschäftigt und bei der Unternehmensplanung entsprechend berücksichtigt. Durch folgende Gestaltungsoptionen besteht die Möglichkeit, den Einfluss zinsabhängiger Wertänderungen bei den Pensionsrückstellungen auf das Jahresergebnis zu verringern:

  • Anpassung der Bewertungsparameter laut versicherungsmathematischem Gutachen an die unternehmensindividuellen Gegebenheiten
  • Bildung von Deckungsvermögen zur Verbesserung der Bilanzkennzahlen
  • Umstellung der Pensionszusage
  • Auslagerung von Pensionszusagen auf Pensionsfonds
  • Auslagerung von Pensionszusagen auf Unterstützungskasse
  • Auslagerung von Pensionszusagen auf Pensionsfonds und Unterstützungskasse

Durch optimale Gestaltungsoptionen ist es möglich, die betriebswirtschaftlichen Ziele eines Unternehmens (zum Beispiel Liquiditätsentlastung, Ausfinanzierung der Antwartschaften innerhalb der aktiven Zeit der Mitarbeiter, Verbesserung des Bilanzbilds, Verringerung der Verwaltungskosten, Verringerung der Beiträge an den Pensions-Sicherungs-Verein) mit den Bedürfnissen der Versicherten zu vereinen.

Aufgrund der Komplexität der Thematik sollten Unternehmen im konkreten Einzelfall fachkundigen Rat bei erfahrenen Bilanz- und Steuerexperten einholen.

Josef Ertl - Steuerberater / Wirtschaftsprüfer
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