Steuerschuldnerschaft

Umkehr der Steuerschuldnerschaft – für Bauunternehmer ist eine professionelle Beratung unverzichtbar

Von Brigitte Hagen, Steuerberaterin

Bauleister haben die Regeln der Umkehr der Steuerschuldnerschaft anzuwenden, wenn sie als Subunternehmer auftreten. Das betrifft das große Bauunternehmen ebenso wie den kleinsten Fliesenleger oder Maler. Das bedeutet, dass der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer aus der Rechnung schuldet, wenn ein Bauleister eine Bauleistung an einen anderen Bauleister erbringt. Die Rechnungen sind in diesen Fällen dann netto zu stellen.

Die Regelungen in diesem Bereich wurden in der letzten Zeit durch eine geänderte Rechtsprechung und ein neues Gesetz immer wieder überarbeitet. Entscheidend für die Anwendung der unterschiedlichen Rechtslagen ist der Zeitpunkt der Erbringung der Bauleistung. Die Bauleistung gilt ab dem Zeitpunkt der Abnahme als erbracht.

Rechtslage für alle Bauleistungen ab dem 1. Oktober 2014

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Umkehr der Steuerschuldnerschaft eintritt:

  • Es muss eine Bauleistung erbracht werden.
  • Leistender und Leistungsempfänger müssen nachhaltig Bauleistungen erbringen (mindestens zehn Prozent ihrer Umsätze müssen aus Bauleistungen stammen).
  • Die Eigenschaft als Bauleister kann durch eine für längstens drei Jahre gültige Bescheinigung des Finanzamtes nachgewiesen werden, die jeder Bauleister auf Antrag von seinem Finanzamt erhält.
  • Bauträger erfüllen diese Voraussetzungen nur noch, wenn sie zusätzlich zum Verkauf ihrer Grundstücke andere Umsätze mit der Erbringung von Bauleistungen erzielen und diese Umsätze mindestens zehn Prozent ihrer gesamten Umsätze ausmachen. Der Verkauf der bebauten Grundstücke stellt keine Bauleistung mehr dar.

Unser Praxistipp: Ein Bauleister sollte die Rechnung nur dann netto fakturieren, sofern er von seinem Leistungsempfänger eine Kopie der vom Finanzamt ausgestellten Bestätigung erhält, dass dieser ebenfalls ein Bauleister ist.

Problemstellung in der Praxis

Die Frage, ob tatsächlich eine Bauleistung im Sinne des UStG erbracht wird, kann sowohl von dem Auftragnehmer (Leistender) als auch von dem Auftraggeber (Leistungsempfänger) nicht immer zweifelsfrei beantwortet werden. Auftragnehmer und Auftraggeber stehen daher immer wieder vor dem Problem, nicht zu wissen, ob die Regelungen von der Umkehr der Steuerschuldnerschaft anzuwenden sind oder nicht.

Lösung in der Praxis – Vereinfachungsregel

Die vor dem 15. Februar 2014 geltende Vereinfachungsregel wird wieder eingeführt. Gehen also Leistungsempfänger und Leistender in Zweifelsfällen übereinstimmend davon aus, dass zwischen ihnen die Erbringung einer Bauleistung vereinbart ist, obwohl die Voraussetzungen einer Bauleistung nach dem UStG nicht vorliegen, so gilt der Leistungsempfänger dennoch als Steuerschuldner (Umkehr der Steuerschuldnerschaft). Ein Steuerausfall darf durch die Fiktion jedoch nicht entstehen.

Da die vorhandenen Zweifel und die Einigung über die Anwendung der Umkehr der Steuerschuldnerschaft gegenüber der Finanzbehörde nachzuweisen sind, empfehlen wir dringend, eine entsprechende Vertragsvereinbarung vor Ausführung der Bauleistung schriftlich zu fixieren. Ist die Bauleistung bereits erbracht, so sollte ein entsprechender Hinweis in die Rechnungstellung mit aufgenommen werden. Die Vereinbarung muss von beiden Parteien unterschrieben werden.

GERMANIA Steuerberatungsgesellschaft m.b.H.
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